Das erste Opfer des Nationalsozialismus – Österreichische Erinnerungskultur gestern und heute. Ein Gespräch mit Andreas Peham.

Text: Klaas Anders
Foto: Natalia Wollny

Im Rahmen unsere Exkursion in die Städte Wien und Bratislava trafen wir Andreas Peham vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (kurz DÖW), um mit ihm über vergangene und aktuelle Erinnerungskultur und Erinnerungspolitik in Österreich zu sprechen.

Das Dokumentationsarchiv wurde 1963 gegründet und versteht sich als Archiv und Aufklärungsinstitution über den österreichischen Faschismus sowie seine Kontinuitäten und Traditionen. Dabei beherbergt das DÖW nicht nur, wie der Name es nahelegt, eine beträchtliche Sammlung an Dokumenten und anderen Quellen über den historischen Faschismus, den Holocaust und den Widerstand, sondern auch verschiedenste Bestände über den zeitgenössischen Rechtsradikalismus in Österreich und Mitteleuropa. Unter anderem beschäftigt sich das DÖW auch mit der kritischen Betrachtung österreichischer Burschenschaften. Dies ist auch Spezialgebiet von Andreas Peham, der als führender Experte zu Rechtsradikalismus in Österreich gilt. Sehr zu empfehlen ist an dieser Stelle sein Text „Von Einheit zur Reinheit. Zur Kritik des deutschnationalen Korporationswesens in Österreich unter besonderer Berücksichtigung antisemitischer Traditionslinien und nationalsozialistischer Bezüge“, in dem er auf 73 Seiten einen sehr detaillierten und anschaulichen Überblick über personelle und ideelle nationalsozialistische Traditionen (nicht nur) in den Burschenschaften Österreichs gibt.[i]

Mit ihm trafen wir uns zu einem ausführlichen Gespräch über die Geschichte des DÖW im Spannungsfeld österreichischer Erinnerung, über die Rolle der FPÖ und nationalsozialistische Kontinuitäten in Österreich sowie über Burschenschaften, schlagende Verbindungen und über Antisemitismus in Europa im Allgemeinen und in Österreich im Speziellen.

Dabei wurden vielschichtige Aspekte besprochen, wie beispielsweise die bedeutende Rolle der Wiener Burschenschaften als ideelle Wegbereiter des Nationalsozialismus aber auch die tagespolitische Entwicklung um die FPÖ und deren Auswirkungen auf die Arbeit des DÖW und auf die österreichische Gesellschaft. Abschließend führte Andreas Peham uns durch die Räumlichkeiten und Bestände des Archivs und gab Einblicke in die Arbeitsweisen der Institution.

Ein Besuch des DÖW und auch seiner Dauerausstellung zur Geschichte des Österreichischen Faschismus und Widerstand ist nicht nur für Wissenschaftler*innen sehr zu empfehlen.

Mehr zur Dauerausstellung und zur Arbeit des Dokumentationsarchives findet sich online unter: http://www.doew.at/erkennen/ausstellung/dauerausstellung

[i] Peham, Andreas: Von Einheit zur Reinheit. Zur Kritik des deutschnationalen Korporationswesens in Österreich unter besonderer Berücksichtigung antisemitischer Traditionslinien und nationalsozialistischer Bezüge,  online utner: http://www.doew.at/erkennen/rechtsextremismus/rechtsextremismus-in-oesterreich/durch-reinheit-zur-einheit , (Stand: 08.08.2017)

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