Der Weg ist das Ziel – Eine Fährenfahrt mit dem „Meteor“

Text: Julia Braun
Foto: Julia Braun

Nach drei aufschlussreichen Tagen in Wien machen wir uns in der prallen Sonne auf zum Hafen. Ganz bewusst hat sich die Gruppe im Vorfeld für eine Fähre und gegen eine Zug- oder Busfahrt entschieden. Die Gedanken dahinter waren vermutlich die Aussicht auf 30 Minuten frische Brise und den-Kopf-freikriegen. Und tatsächlich lohnt sich die Fährenfahrt mit dem sogenannten „Meteor“ vom ersten Moment an. Schon die Erscheinung des U-Boot-ähnlichen Gefährts mit rosa Samtvorhängen bringt uns alle zum Grinsen und Vorfreude tut sich auf. Vorfreude auf eine Stadt, von der bislang die wenigsten eine Vorstellung haben: Bratislava. Von nun an kann es nur noch osteuropäischer werden.

Schon nach kurzer Zeit hat sich ein Teil der Gruppe barfuß und mit Bierchen im kleinen Außenbereich eingefunden, Haare wehen im Wind, es beginnen lockere Gespräche, aber auch die wichtigeren Fragen des Lebens werden besprochen: „Wie kommt die Hornhaut eigentlich auf den großen Zeh?“ Neben geheimen Apfelkuchenrezepten werden auch Weisheiten ausgetauscht: „man muss auch mal zusammen Grummeln können“. Während das Gelächter und die Gruppe im Außenbereich immer größer werden, lehnen wir uns zwischendurch über die Reling und beobachten die vorbeiziehende Landschaft. Ab und an leuchten kleinere Häuser am Flussufer auf, aufgestellt auf Stelzen. Einige weiter weg, einige direkt am Wasser. Wir winken jeder Person zu, die wir an Land sehen und freuen uns über jede Reaktion wie kleine Kinder. Nach einiger Zeit fragen wir uns, ob wir wohl schon in der Slowakei sind und ob wir irgendwelche Unterschiede an den Häusern oder Menschen ausmachen können.

Obwohl uns inzwischen jegliches Zeitgefühl abhanden gekommen ist erkennen wir nach ungefähr einer halben Stunde in der Ferne einen Hafen, der das Ende unserer Fahrt markiert. Wir merken, dass die Übergänge zwischen den zwei Ländern fließend sind und dass uns eine kurze Fährenfahrt fast unmerklich in ein neues Land gebracht hat.

Dennoch stand uns zu diesem Zeitpunkt ein neues Land mit eigenen Strukturen und Dynamiken bevor, von dem wir in Bratislava einen kleinen aber vielseitigen Eindruck bekommen konnten.

 

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